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Schmerzen
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Schmerzen

Viele Menschen fürchten sich nicht so sehr vor dem Tod, sondern vor dem Leiden das durch die Schmerzen verursacht wird. Auch für Angehörige ist es schwer mit anzusehen, dass ein geliebter Mensch leidet.
Eine Schmerztherapie bei starken Schmerzen ist ohne Medikamente nicht möglich. Deshalb ist es sehr wichtig mit den zahlreichen Vorurteilen gegenüber einem dem besten Schmerzmedikamente, dem Morphin (Opiat), aufzuräumen.
Denn häufig werden Opiate abgelehnt, weil ihre Einnahme mit großen Vorbehalten behaftet ist. Um am Ende des Lebens noch von Lebensqualität sprechen zu können, ist die Behandlung der Schmerzen wichtig. Dabei kann die Unterstützung durch aufgeklärte Angehörige sehr hilfreich sein, um eventuelle Widerstände des  Sterbenden gegenüber der Gabe dieser Medikamente aufzulösen.

Vorurteile

  • Opiate machen süchtig.
     
  • Opiate verursachen bei chronischen Schmerzpatienten eine gefährliche Atemdepression.
     
  • Opiate sedieren und behindern soziale Kontakte.
     
  • Die Dosierung muss bei Opiaten wegen des Gewöhnungseffektes kontinuierlich gesteigert werden.
     
  • Wenn man mit Morphin beginnt, ist alle Hoffnung aufgegeben.
     
  • Opiate haben hohe Nebenwirkungen und beschleunigen den Tod.

Fakten

  1. Als Schmerzmittel eingesetzt, wirkt das Opiat nicht „bewusstseinserweiternd“ und gibt keinen „Kick“. Das Suchtrisiko unter Schmerzpatienten ist nicht größer als unter der Gesamtbevölkerung
     
  2. Schmerz dient als „Gegenspieler“(physiologischer Antagonist) gegen opioidbedingte Atemdepression. In der Palliativen Betreuung wird teilweise sogar Morphin zur Behandlung von Atemnot eingesetzt.
     
  3. Nach einer gewissen Eingewöhnungsphase sind Patienten in der Regel nicht mehr so müde und können ihre sozialen Kontakte in vollem Umfang pflegen. Häufig werden durch die Behandlung des Schmerzes erst wieder die Aufnahme von Beziehungen möglich
     
  4. Es besteht kein Gewöhnungseffekt. Eine Dosiserhöhung ist in der Regel nur dann erforderlich wenn die Schmerzursache (z.B. Tumor) zunimmt. Viele Patienten nehmen Morphin über Jahre hinweg und nicht erst in der letzten Phase ihres Lebens.
     
  5. Die Verabreichung von Opiaten ist kein Indiz dafür, dass das Leben  zu Ende geht.
     
  6. Die Nebenwirkungen(Übelkeit, Müdigkeit)von Opiaten sind bekannt und berechenbar. Sie können vorbeugend behandelt werden und lassen in der Regel nach einigen Tagen wieder nach.

 

Um eine bestmögliche Schmerztherapie zu verordnen, ist der Arzt auf eine gute Beschreibung des Schmerzes angewiesen.
Mittels einer Skala und eines Schmerztagebuchs können  Stärke,  Auftreten, Häufigkeit, Verlauf und Art des Schmerzes erfasst werden und dem behandelnden Arzt wertvolle Hinweise auf die Behandlungsmöglichkeiten geben.

Schmerzskala

Dann kann eine so genannte Basismedikation verschrieben werden und für zusätzlich und  plötzlich auftretende Schmerzen eine „Bedarfsmedikation“. Damit ist sowohl dem Patienten als auch seinen Angehörigen die Angst und Unsicherheit genommen, dass sie in einer akuten Schmerzsituation, z.B. am Wochenende, den Notarzt rufen müssen.
Dem Sterbenden ist ein Stück seiner Eigenverantwortung und Autonomie zurückgegeben, in dem er selbst entscheidet, wann er wie viel von der Medikation nimmt, um sich wohl und schmerzfrei zu fühlen.

Nichtmedikamentöse Maßnahmen:

Da Schmerz ein sehr komplexes Geschehen ist, haben viele Faktoren auf das Schmerzerleben und die Schmerzverarbeitung Einfluss.
Die Anwendung von Wärme oder Kälte kann Schmerzen reduzieren und ist vor allem für Angehörige gut durchzuführen

Wärmflaschen und Kühlelemente niemals direkt auf die Haut, immer in Tücher wickeln, die Haut regelmäßig kontrollieren!
Vor der Anwendung die Temperatur kontrollieren
Bei der Anwendung unbedingt die Reaktion des Patienten beobachten

Kälteanwendungen

  • Kühlgelkissen, Eisbeutel und
     
  • Umschläge mit Quark, Wasser und Alkohol.

 

Wärmeanwendungen

  • Wärmflaschen,
     
  • Dinkel- oder Kirschkernkissen,
     
  • Dampfkompressen,
     
  • warme Wickel oder ein
     
  • Wannenbad mit Zusätzen, die die Durchblutung fördern, wie Mineralsalze.

 

Weitere Maßnahmen:

  • Lagerung, bzw. kleine Lagewechsel vornehmen (s.o.)
     
  • Zuwendung und Nähe, auch Haustiere können sehr hilfreich sein!!
     
  • Besuch, wohl dosiert- auch Kinder sind erwünscht!!
     
  • Einreibungen und leichte Massagen,
    z.B. auch Handmassagen mit Schmerz- und krampflindernden Ölen wie Kamille und Rosmarin
     
  • Ablenkung, z.B. durch Vorlesen, Erzählen
     
  • Autogenes Training
     
  • Aromatherapie: Kamille, Rosmarin  und Pfefferminze wirken schmerzlindernd
     

© der Pflegetipps, wenn nicht gesondert vermerkt: Bettina Tews-Harms